Die Hölle überleben…

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Durch die Hölle und zurück, oder so ähnlich war das Motto von diesem Duathlon am dem ich gestern teilgenommen habe. “Hel van Kasterlee” der offizielle Name. Das Rennen war so hart, dass es mir die letzten Reserven genommen hat. Nur das ihr euch das mal vorstellen könnt, ich habe “nur” die Beine angestrengt, und Heute habe ich so wenig kraft in den Fingern, dass ich mich anstrengen muss einen Schlüssen rum zu drehen!

Jetzt aber mal von Vorne. Um 3:30 habe ich mich mitten in der Nacht mir meinem Freund nach Belgien aufgemacht. Dort angekommen habe ich mich für das Rennen angemeldet und in der Umstiegszone meine Sachen bereitgelegt. Dort bekam ich es immer mehr mit der Angst zu tun. Nur Profis um mich… Immerhin bin ich über 3 Monate nicht mehr auf dem Fahrrad gewesen und gelaufen bin ich dies Jahr auch nur 22Km am Stück. Und dass Rennen… 15Km Laufen, 106Km Mountainbike, 30Km Laufen. Und das ohne richtiges Training… Aber noch hatte ich Hoffnung, denn Belgien ist flach. Ich dachte, dass 106Km auf dem Rad nicht zu heftig werden, denn es geht ja nur geradeaus. Dass ich die 45Km laufen könnte, davon bin ich ausgegangen.

Ok, um 8:00 war dann der Start. Da ich keine Uhr dabei hatte, habe ich mich nur an eine Gruppe rangehängt und nach nur 1:15 hatte ich die ersten 15Km hinter mir. Viel schneller und fiter als gedacht. Auch mein Freund der mit war wunderte sich. Dann habe ich mich auf mein Fahrrad in die 4 Runden von ca. 26Km gemacht. Schon kurz nach dem Start wurde mir klar, warum der Name “Hel van Kasterlee” (Hölle von Kasterlee). Belgien hat zwar keine Berge, aber Dünen… Die Strecke war zwischen den Dünen auf festgefahrenen Sand. Das bedeutete, dass man an keine Stelle einfach nur mal kurz rollen lassen konnte. Pausenlos treten! Das ist schlimmer als Berge. Manchmal, wenn es nicht die Dünen waren, gab es Schlamm Passagen. 5cm Schlammschicht, die man mit Muskelkraft wegdrücken muss. Zwischendrin Pfützen die fast einen halben Meter tief waren. Teilweise war die Strecke so schlimm, dass ein durchschnittliche Fahrer es technisch nicht schafft durch zu kommen.

Die erste Runde bin ich langsam gefahren und war danach noch fit. Nach der 2. Runde merkte ich wie das Gesäß sich meldete. Und das Fahrrad wollte auch nicht so recht. Obwohl man die Möglichkeit hatte es nach jeder Runde mit Wasser abzuspritzen, sammelte sich der Dreck immer mehr. Die Kette war irgendwann so versandet, dass sie nicht mehr lief. Die Räder blockierten, sobald man etwas fester in die Pedalen trat, was zusätzlich demotivierte. Die 3. Runde war schlimm. Der Hintern hat jetzt richtig weh getan! Der Sand klebte an den Bremsscheiben, so dass sie die Bremsklötze bis auf 0 runter geschliffen hatten. Schon am Anfang der Runde hatte ich so gut wie keine Bremswirkung. In der Runde war ich am Ende… Gegen Ende der Runde tauschte ich das Rad auf ein Ersatzrad. Jetzt hatte ich wieder eine Bremse und alle Gänge zur Verfügung. In der 4. Runde habe ich dann noch einen Energieschub. Wie aus dem Nichts explodierte ich und bin die Runde sehr schnell gefahren. Nach 106Km, in 7 Stunden, auf dem Rad tat der hintern so weh, dass ich jedem Grashalm ausweichen wollte. Ich war komplett dreckig. Die Beine und Schuhe waren unter einen halben Zentimeter Dreck. Und nass. Da die Füsse selbst nicht beim Radfahren nicht bewegt werden, waren die auch eingefroren. Zum Glück stand im Zelt wo alle sich umzogen ein Heizlüfter der mächtig heiß war.

Aufgetaut und mit frischen Sachen ging es dann auf die letzten 30Km laufen, die in 2 Runden aufgeteilt waren. Direkt nach dem Loslaufen tat alles um die Magengegend so weh… es war einfach grausam. Ich hatte schon immer Schwierigkeiten beim Umstieg vom Rad auf Laufen, aber so wie da noch nie. So quälte ich mich durch die erste Runde. Die letzten 5Km davon auch noch im strömendem Regen, der mich immer mehr dazu bewegt hat aufgeben zu wollen. Nach 2,5 Stunden war die Runde die ich am Morgen noch in 1:15 schaffte fertig. Mit der letzten Kraft und über die Leistungsgrenze hinaus währe ich vielleicht noch auf die letzten 15Km gegangen.

Aufgegeben habe ich nicht, obwohl der Gedanke sehr naheliegend war. Es war die Rennleitung mit dem Roten Kreuz die mich und andere aus dem Rennen nahmen. Da wir nicht aufgegeben haben durften wir durch das Ziel Laufen, bekamen eine Medaille und durften auf dem Finisher-Plakat unterschreiben.

Jetzt fühle ich mich weder als Aufgeber, Loser, Abbrecher noch als Finisher, Durchhalter… Was bin ich nur? Ich habe es nicht geschafft. Ich habe nicht aufgegeben. Ich bin ungefähr so fertig gewesen, wie ich es mir am Anfang gedacht hatte, obwohl der Fahrrad-Teil viel härter war. Nach 11 Stunden Dauerleistung weiß man, was man geschafft hat. In der Wertung bin ich als Finisher gewertet und mir wurden für die nicht gelaufene Runde noch 2,5 Stunden aufgerechnet. Gerne hätte ich mich noch die Runde durchgeschleppt um mich auch als Finisher zu fühlen!

Übrigens, obwohl ich an diesem Tag nur richtige Kalorienbomben (bis zum 3-fachen von Schokolade) in Mängen zu mir genommen habe, bin ich 3Kg leichter als Gestern. Wer abnehmen will, soll sich melden…

Als Links kann ich hier noch ein Video zum Lauf anbieten.

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